
Der
Himmel ist blau. Kann sein*
Frauen im Widerstand. Österreich 1938-1945,
Wien 1985
* gemeinsam mit Elisabeth Holzinger, Lotte Podgornik,
Lisbeth N. Tallori
20 österreichische Frauen erzählen über ihren Widerstand
gegen das Nazi Regime: über ihre List und ihren Mut, über Verfolgung,
Angst und Solidarität.
“Wenn er mir gesagt hätte, der Himmel ist
blau, hätt ich gesagt: Kann sein. Unter keinen Umständen hätt
ich der Gestapo was zugegeben. Für mich war eine absolute Kluft zwischen
ihnen und mir. Diese Kluft war unüberbrückbar.”
Mali Fritz
“Oft dokumentiert, in Zeitschriftenserien
gefeiert wird der Widerstand der großbürgerlichen und adeligen
Generale gegen das Nazi-Regime. Doch in diesem menschen- wie frauenverachtendsten
System, das die Frauen auf das Gebären von Kanonenfutter und liebevolle
Krankenschwesterdienste an den im Feld stehenden Männern –
später auch auf die Produktion von Kriegsmaterial – festgelegt
hat, entstand ein machtvolles Potential von Freiheitskämpferinnen.
Frauen aus unterschiedlichen Klassen, Berufen, Religionen und Traditionen
wurden zu selbständigen, selbstbewussten, wenn nötig auch mit
‘weiblicher Schläue’ agierenden Kämpferinnen, im
Dienst nicht nur der Zerschlagung des Naziterrors, sondern auch ihrer
eigenen politischen wie menschlichen Emanzipation.
Ein ungemein wichtiges, längst schon überfälliges Buch
über weibliche Menschen, die unseren ganzen nationalen und patriotischen
Stolz ausmachen müssen.”
Elfriede Jelinek
PRESSESTIMMEN
“…DASS ES EIN BISSL NACH AUSFLUG AUSSCHAUT”
….
Endlos ließen sich die Geschichten der Frauen aufzählen, in
denen sie mit Phantasie, List und nicht zuletzt mit ihrem Mut Widerstand
gegen Terror und Unmenschlichkeit leisteten. Einige der Erzählungen
sind in dem Buch “Der Himmel ist blau Kann sein.” erschienen.
Auch 40 Jahre danach erzählen die Frauen davon spannend, witzig und
traurig. Die Gefühle der Angst vor der Verhaftung, die Trauer über
das Todesurteil eines Freundes, aber auch die erlebte Solidarität
sind in ihren Erzählungen wach und lebendig bis heute.
HALLO
"TUN WAS GETAN WERDEN MUSS….”
Frauen, Widerstand, Exil und Verfolgung
im Nationalsozialismus
Die Rolle von Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus
ist lange Zeit ebenso ignoriert worden wie die spezifischen Verfolgungspraktiken
gegenüber weiblichen Opfern der NS-Herrschaft.
Der Widerstand von Frauen gegen das NS-Regime – in den verschiedensten
Formen und aus sehr unterschiedlichen Positionen heraus – wurde
lange Zeit nicht als solcher wahrgenommen oder in seiner Bedeutung gering
geschätzt. Auch die Rolle von Frauen bei der Flucht und im Exil –
in vielen Fällen waren sie wesentlich an der Organisation der Flucht
und an der Existenzsicherung im Zufluchtsland beteiligt – war zunächst
kein Thema der zeitgeschichtlichen Forschung. Selbst die Millionen weiblicher
Opfer der nationalsozialistischen Verfolgungs- und Vernichtungspolitik
wurden, gerade was die spezifischen, explizit gegen Frauen gerichteten
Formen von Erniedrigung, Folter, sexualisierter und sexueller Gewalt oder
die Trennung von Kindern und Säuglingen betrifft, nicht angemessen
thematisiert.
……
Wesentliche Beiträge zur Geschichte der Frauen als NS-Opfer und als
Aktivistinnen im Widerstand entstanden im deutschsprachigen Raum seit
Anfang der 80er Jahre. Pionierinnenarbeit auf diesem Gebiet leistete unter
anderem Hanna Elling, selbst Widerstandskämpferin und Überlebende
des Frauenkonzentrationslagers Moringen, deren Buch "Frauen im deutschen
Widerstand 1933-1945" bereits 1979 erschienen ist. In Österreich
waren es Karin Berger, Elisabeth Holzinger, Lotte Podgornik und Lisbeth
Trallori, die in der ersten Hälfte der 80er Jahre insgesamt hundert
Frauen in ganz Österreich, die in unterschiedlicher Weise Widerstand
leisteten, interviewt haben, ein Forschungsprojekt, aus dem zwei Dokumentarfilme
und das Buch "Der Himmel ist blau. Kann sein. Frauen im Widerstand.
Österreich 1938-1945" entstanden, die diesen Frauen erstmals
Öffentlichkeit, eine Stimme gaben.
…….
Die Geschichte der Frauen zu schreiben, die überleben
konnten, ihre Perspektive auf ihr Leben und ihre gegenwärtige Situation
als wesentlich zu achten, sie für sich sprechen zu lassen und zuzuhören,
führt uns wichtige Teile der Geschichte des Nationalsozialismus vor
Augen. Gleichzeitig braucht es aber Formen der wissenschaftlichen und
historischen Repräsentation all jener, die nicht überlebt haben,
die ermordet und vernichtet wurden, die nie mehr sprechen konnten. An
ihrem Schweigen kommen wir nicht vorbei.
Eva Krivanec, RISSE IM CONTEXT XXI, Magazin
für Alpenbegradigung
KORRESPONDENZ
Aus dem Protokoll des 55. Nationalrates, 1988 S. 936-939a:
Abgeordneter Dr. Khol (ÖVP): Herr Bundesminister! Ich begrüße,
daß Sie von den eher pessimistischen und nach hinten gewandten Forschungsschwerpunkten
Ihres Vorgängers Minister Fischer jetzt zu eher optimistischen, zukunftsorientierten
Forschungsschwerpunkten übergehen. Ich glaube, dass das richtig ist.
Ich möchte insbesonders betonen, daß es auch wichtig ist, das
Managmet der Mittel in der Auftragsforschung sachkundig zu gestalten.
Ich habe hier eine Broschüre mit den Ergebnissen einer Auftragsforschung,
die Ihr Vorgänger, der besagte Minister Fischer, heute Klubobmann,
in Auftrag gegeben hat. Sie umfaßt 438 photokopierte Seiten mit
38 Interviews zu einem sehr wichtigen Thema: “Widerstand österreichischer
Frauen in den Konzentrationslagern des nationalsozialistischen Regimes
1938 bis 1945.” Eine erschütternde Arbeit und ein wertvolles
Thema.
Meine Frage an Sie, Herr Bundesminister: Ich habe mich nach den Kosten
dieser Arbeit erkundigt und habe von Ihrem zuständigen Ministerialrat,
Dr. Burger, erfahren, daß die Kosten fast 500.000 Schilling betrugen.
Das sind die Kosten für 38 Interviews und für 400 Seiten! Sind
Sie der Meinung, daß hier ein angemessenes Verhältnis zwischen
Kosten und Output besteht?
Präsident: Herr Bundesminster.
Bundesminister Dr. Tuppy: Sehr geehrter Herr Abgeordneter! Zunächst
möchte ich unterstreichen, was Sie in der Frage schon zum Ausdruck
gebracht haben: Gerade im Jahre 1988 waren wir wohl beraten, uns den furchtbaren
Geschehnissen vor 50 Jahren und was diesen Geschehnissen folgte, zuzuwenden.
(Zwischenruf des Abg. Dr. Khol)
Die Bearbeitung dieses Themas liegt auch auf einer methodisch….,
nämlich der erzählten Geschichte. Es sind nicht so sehr Interviews,
sondern zum Teil Berichte von Leidtragenden, erschütternde Berichte
von Frauen, die im KZ waren und Bösestes erlebt haben. Darin besteht
der Wert der Studien. Ich muß allerdings sagen, daß die Verarbeitung
dieser Berichte durch ein Team von vier Autorinnen auf etwa 50 Seiten
mit fast 500.000 Schilling wirklich gut bezahlt ist, ja etwas üppig
bemessen worden ist. Andererseits muß ich noch einmal sagen: Die….KZ-Leidgeprüften
sind derart, daß man das Werk nicht ohne Erschütterung weglegen
kann.
…….
BRIEF DER HERAUSGEBERINNEN AN DR. KHOL
Wien, 18.4.1988
Sehr geehrer Herr Abg. Kohl!
In der Fragestunde im Parlament fragen Sie den Minister für Wissenschaft
und Forschung, Hans Tuppy, nach dem Verhältnis von Kosten und Output
der Studie “Widerstand österreichischer Frauen in den Konzentrationslagern
des NS-Regimes 1938-1945. Sie meinen, 500.000,- Schilling seien für
38 Interviews und “für 400 Seiten!” zuviel. Auch Minister
Tuppy findet, daß “die Verarbeitung dieser Berichte durch
ein Team von vier Autorinnen auf etwa 50 Seiten mit fast 500.000 Schilling
wirklich gut bezahlt ist, ja sogar ewas üppig bemessen worden ist.”
Wir hingegen glauben, daß Ihnen der Arbeitsaufwand, der hinter diesen
438 Seiten steckt, entgangen ist. So sind beispielsweise detaillierte
Kenntnisse über die Bedingungen der Konzentrationslager und ihrer
Auswirkungen nötig, sowie ein intensives Studium autobiografischer
KZ-Literatur, um solche Gespräche auf einem qualitativ hohen Niveau
führen zu könnnen. Wir haben insgesamt 51 Frauen interviewt,
manche von ihnen mehrere Male und verfügen über 3123 Seiten
von Interviewtranskripten. Nach einem umfangreichen Auswertungsraster
zu den verschiedenen Formen des Widerstandes wurde eine wissenschaftlich
fundierte Auswertung erarbeitet, die wir in unserer Zusammenfassung –
die tatsächlich etwa 50 Seiten beträgt – dargestellt haben.
Adäquat zu den Erkenntnissen dieser Analyse wählten wir die
Passagen für die Publikation aus und redigierten sie in einer Weise,
die die individuelle Sprache der Frauen erhält. Das Buchmanuskript,
auf das Sie sich beziehen ist der Extrakt einer zwei Jahre andauernden,
intensiven und sehr belastenden Auseinandersetzung mit dem Thema.
Zur Frage der Nicht-Präsentation des Buches durch das Ministerium,
die von Minister Tuppy damit begründet wird, daß nicht “weitere
Mittel für eine Präsentation von Seiten des Ministeriums zur
Verfügung gestellt” werden, nachdem das Ganze ohnehin schon
so teuer gekommen wäre, möchen wir bemerken, daß die Kosten
für eine Präsentation etwa mit 20 Flaschen Mineralwasser und
15 Flaschen Pago anzusetzen sind. Die Räumlichkeiten des Ministeriums
und ein amtierenderr Minister sind schießlich vorhanden.
Wir hoffen, mit unserem Schreiben einen grundlegenden Irrtum aufgeklärt
zu haben.
Mit besten Grüßen!
BRIEF VON DR. KHOL
Wien, 25.4.1988
Haben Sie Dank für Ihren Brief vom 18. April 1988. Ich habe meine
Anfrage an den Bundesminister für Wissenschaft und Forschung nicht
auf der Grundlage der Zusammenfassung von etwa 50 Seiten gemacht, sondern
ich habe mich beim zuständigen Abteilungsleiter im Ministerium um
die gesamten vorgelegten Unterlagen bemüht, einen zusammenfassenden
Bericht von an die 500 Seiten erhalten und durch meine Sachbearbeiter
– ich bin nunmehr schon fast 15 Jahre im Wissenschaftsmanagement
tätig – kritisch durchsehen lassen. Dies ist die Grundlage
meiner Frage an den Bundesminister, der meine kritische Haltung zum Verhältnis
von Kosten und Leistung bestätigte; auch Minister Tuppy ist Jahrzehnte
im Wissenschaftsmanagement tätig.
Ich möchte noch einmal betonen, was ich auch in der schrifltichen
Anfrage betont habe: ich halte die Arbeit für wertvoll und informativ
und ich hätte mich gefreut, wenn aus dem gleichen Themenbereich (Faschismuskritik)
mit dem gleichen Geld fünf verschiedene Arbeiten aus verschiedener
Sicht gefördert hätten werden können, um so der Zielsetzung
des Projektes eine noch breitere Grundlage zu geben.
Mit den besten Grüßen
[top]