“Ich hab dir keinen Rosengarten versprochen”

“Ich hab dir keinen Rosengarten versprochen”*
Das Bild der Frau in vier österreichischen Tageszeitungen
Verlag Frischfleisch und Löwenmaul, Wien 1979

* gemeinsam mit Nora Aschacher, Uli Moser, Lotte Podgornik, Eleonore Ringel, Stefanie Wukovitsch

Amüsant und scharfsichtig untersucht diese Bestandsaufnahme das Frauenbild in den österreichischen Tageszeitungen Kurier, AZ, Kronenzeitung, Die Presse, in Werbespots und auf Plakaten.

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AUS DEM VORWORT (1979)

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Wir (das sind sechs berufstätige Frauen), wir und alle Frauen, die wir kannten, kamen auf den für Frauen reservierten Seiten, auf den Seiten “Politik”, “Wirtschaft”, “Lokales” nicht vor und wenn, so erkannten wir uns kaum wieder. Weder gehen wir nur mit einem winzigen Höschen bekleidet durch die Welt, noch wandeln wir in schimmernden Seidenstoffen einher, deren Kauf unser ganzes Monatsgehalt kosten würde. Wir hatten auch täglich andere Entscheidungen zu treffen als “Lidschatten amber oder beige?” oder zwischen Tanga und Loden zu wählen. Wir schlugen uns auch nicht damit herum, ob wir mit “Alfi”, “Kurti” oder “Udo” ins Bett, in die römische Wohnung oder auf Safari gehen sollten; noch bastelten und kochten wir den ganzen Tag.
……
Wir glauben nicht, dass nach unserer Untersuchung die Zeitungen ihre Berichterstattung oder ihre Frauenseiten sofort verändern werden. Wir glauben auch nicht, dass der ORF in Zukunft keinen frauenfeindlichen – weil ausschließlich das traditionelle Fruenbild propagierenden – Werbespot senden wird.
Wir haben nicht tolle neue Erkenntnisse ans Licht gezerrt, denn die Zeitungen gibt es schon seit einigen hundert Jahren, und die Unterdrückung der Frau schon jahrtausendelang.
Aber wir glauben, dass diese alltäglichen Gemeinheiten und Vorurteile bereits zu gewohnten Nadelstichen wurden, so dass wir den Schmerz nicht mehr spüren. Wir wollten daher mit unserer sechsmonatigen Beobachtung dieses Allzugewohnte sichtbar machen, damit es nicht zu sehr zur Gewöhnung wird. Die Medien, darunter auch die Zeitungen, speisen uns immer mit der Behauptung ab: “Das machen wir ja nur deshalb, weil es unsere Leser und Leserinnen so wollen.” Unsere Frage: Wollen wir es wirklich so? Wenn wir es nicht so wollen, wer will es dann?

Zeitungen, das hat sich ja seit ihrem Bestehen täglich gezeigt, repräsentieren weniger die Bedürfnisse derer, die sie lesen, als jener, die sie besitzen und die gerne mit diesem Instrument Politik zu machen versuchen, auch wenn sie sich als “unabhängig” deklarieren. Die Existenz von Zeitungen hängt nicht von unseren 4 oder 5 Schillingen ab, sondern von den Inseratenauftaggebern, und wer das Geld gibt, der bestimmt auch, was geschieht. Nachdem wir das Geld nicht haben, um getarnt als OHG oder AG oder was auch immer Politik und Meinung per Zeitung zu machen, können wir zunächst gegen diesen Druckerschwärzeterror, gegen diese Form der geistigen Gewalt nicht an.
Wir glauben nicht, dass wir deswegen aufgeben sollen und sagen: “Da kann frau nichts machen” und dann die Zeitungen aus Wut zerreißen, um sie aufs Klo zu stecken oder damit alte Schuhe auszustopfen.

Im Gegenteil, wir glauben, wir sollten alles das, worin wir vorkommen, bewußter lesen und uns dann zu Wort melden, denn wir haben etwas zu sagen. Wir können und müssen jedesmal, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, anrufen und uns beschweren, wir können Leserbriefe schreiben, und wir können uns Aktionen einfallen lassen, die zeigen: “Damit sind wir nicht einverstanden”, auch wenn wir deswegen als Emanzen, Mannweiber oder was auch immer abgestempelt werden. Wir sollten mit anderen Frauen und Männern darüber reden und sagen: Nein! Das kaufen wir euch nicht mehr ab!!!
Arbeitsgruppe Frauenmaul: Nora Aschacher, Karin Berger, Uli Moser, Lotte Podgornik, Eleonore Ringel, Stefanie Wukovitsch
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