Ceija Stojka
Porträt einer Romní
A 1999, 85 min, 35 mm (1:1,66), Dolby Digital, eng UT
Buch, Regie: Karin Berger
// Kamera: Jerzy Palacz // Ton: Bruno Pisek, Alf Schwarzlmüller // Schnitt: Michael Palm // Musik: Ceija Stojka, Harri Stojka, Willibald Stojka, El Pare // Dramaturgische Beratung: Constantin Wulff // Produktionsleitung: Johannes Rosenberger // Produktion: Navigatorfilm

CEIJA STOJKA ist das einfühlsame Portrait der während der Dreharbeiten 66jährigen österreichischen Romní Ceija Stojka. Er ist auch ein Film über das Vergangene in der Gegenwart, über ein Leben mit traumatisierenden Erfahrungen und über das Glück zu leben. Der Film rekonstruiert Ceija Stojkas Lebensgeschichte und damit auch ein Stück Geschichte der Roma und Sinti in Österreich.

 

Screenings (Auswahl)
1999 Vision du Réel Nyon // Viennale Wien // Internationale Hofer Filmtage // International Filmfestival Thessaloniki // International Filmfestival Belgrad // 2000 Diagonale Graz // Magischer Balkan Filmarchiv Austria // 2001 Spiro Ark – Pictures of Surviving, London // Waldviertel Festival Heimat - Fremde // 2002 Sommerkino Festival im Augarten // 2003 Document I Glasgow // 2007 Australian Center of The Moving Image Melbourne // 2009 Filmfestival Oy Wina Tel Aviv // 2010 Personale Frauenfilmtage Wien // Künstlergruppe NURR Boxring-Skulptur „9841“ Rukeli Trollmann Berlin Kreuzberg // 2011 Reconsidering Roma – Kunstquartier Bethanien, Berlin // Kino unter Sternen // 2012 Moviemento Berlin // 2013 Filmfestival Cottbus // studio-west Salzburg // Ausschnitte: Die letzten Zeugen, Burgtheater // 2014 Théâtre de la Cité, Marseille // Rolling Film Festival #4, Prishtina // Galerie Schwartzsche Villa / Kunstverein Tiergarten/ Galerie Nord // Biennale des écritures du réel // Gallery8 Budapest // 2015 Heidelberger Kunstverein // Opre Roma Filmfestival Wien // Ausschnitte: Romane Thana Wien Museum // 2016 Médiathèque Matéo Maximoff Paris // 2017 La Friche Belle de Mai, Marseille // L’invisible culture rrom à l’Entrepôt Paris // Memorial de la Shoah Paris // 2018 LUCA School of Arts Ghent // Metropolis Hamburg // 2019 RAUM*STATION – The Future is Roma Zürich //

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Verleih: info@navigatorfilm.com

DVD in der Reihe "Der österreichische Film" / Edition Der Standard im Buchhandel und unter www.hoanzl.at erhältlich

 

LINKS

https://www.romarchive.eu/de/collection/ceija-stojka-1/
Ceija Stojka International Fund
WIEN MUSEUM
Rolling Film Talk Prishtina 2014

Weiterführende Arbeiten:
Doron Rabinovici / Matthias Hartmann /: Die letzten Zeugen. Burgtheater mit Filmausschnitten und Erinnerungen von Ceija Stojka

 

 

PRESSESTIMMEN

Der Film CEIJA STOJKA mag allein deshalb zu fesseln, weil er sich seinem Thema – dem Erinnern – und seiner Hauptdarstellerin bescheiden, aber nicht befangen nähert. Er ist weit von jener Attitüde entfernt, mit der etliche Dokumentarfilmer das verraten, was sie zu dokumentieren vorgeben, indem sie es ihrer eigenen Melancholie anpassen. Und er entfaltet eine Weite in Raum und Zeit, obwohl die Regisseurin mit ganz wenigen Schauplätzen auskommt. (...) Birkenau, zum Beispiel, wird nicht gefilmt, und doch ist das, was der Familie Stojka dort angetan wurde, gegenwärtig: im Ziegelstein von Block 10, den sie als Erinnerungsstück aufbewahrt, in der Tätowierung auf dem Unterarm, in den Polizeiphotos ihrer Angehörigen, die sie voll Schmerz und Trauer kommentiert.
Erich Hackl, Die Presse

 

Mit einer seltenen Schlichtheit und Zurückhaltung hält Karin Berger diese Momente fest, in denen das Unaussprechliche ins traumatisierte Bewusstsein aufsteigt.
Jean Perret, Katalog VISIONS DU RÉEL 1999

 

Ceija Stojka (...) kann ihren Kindern keine Schnappschüsse zeigen, die Verwandtschaft oder Herkunft dokumentieren. Lediglich Ceija Stojka selbst ist in der Lage, mittels ihrer Erzählungen, Lieder und Zeichnungen Zeugenschaft abzulegen über das Dasein als „Zigeunerin“, das geprägt ist von Vorurteilen, Ausgrenzung, Verfolgung, Deportation bis hin zum systematischen Massenmord durch die Nazis. (...)
Doch das „Leben im Verborgenen“ ließ sie längst mutig hinter sich: (...) Ihre Wohnung, vollgeräumt mit Erinnerungen, strahlt Wärme, Geborgenheit und helle Freundlichkeit aus. Wenn sie ihre Bilder in kräftige Farben taucht, beginnt ihr Gesicht zu strahlen. Dem Unfaßbaren läßt sich wohl nicht anders beikommen als mit diesem unvergleichlichen Lächeln voller Traurigkeit.
Brigitte Mayr, FALTER

 


Karin Bergers Dokumentarfilm ist das behutsame Portrait einer außerordentlichen Frau, zugleich aber auch eine Erkundung der (Leidens-) Geschichte der Roma. Exemplarisch steht hier die Biographie einer Einzelnen für die eines ganzen Volkes: Aufgerollt wird damit aber auch ein immer noch unterbelichtetes Kapitel in der Historie Österreichs.
Den Film zeichnet eine eindringliche Nähe zu seiner Protagonistin aus, man erhält Einblicke in ganz intime Situationen des Alltags einer Frau und ihrer Familie, in dem sich immer wieder Gelegenheiten finden, zurückzublicken, sich zu erinnern. Impressionen aus der Zeit, in der Ceija Stojka mit dem Wohnwagen durchs Land zog, finden in Autofahrten, die den Film durchziehen, eine visuelle Entsprechung. Erinnerungen manifestieren sich auch in ihren Malereien, mit denen sie bereits in die Öffentlichkeit getreten ist. Auf diesen Bildern verweilt die Kamera ebenso wie auf Fotografien ihrer Jugend. (...)
Bei allem Geschichtsbewusstsein ist Ceija Stojka ein Film in der Gegenwart, der darüber erzählt, wie kulturelle Traditionen lebendig bleiben, wie aber auch Ausgrenzung und Ressentiments weiterhin bestehen. Ceija Stojka legt Zeugenschaft ab. Darüber hinaus vermag der Film jedoch eine Haltung zu vermitteln, die ohne ideologischen Rückhalt ungebrochen am Leben festhält.
Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD

 

Zwei Personen, zwei Frauen verhelfen dem Film zu seinem spezifischen Charakter. Das ist zum einen die Protagonistin selbst und zum anderen die Regisseurin Karin Berger. Die langjährige Freundschaft zwischen der Romni und der Gadje wird im Film als Vertrautheit, nicht aber als „wir“ spürbar. Das Portrait hat eine von außen gemacht, Stimmungen und Lebensgefühl aus einer anderen Welt werden für Momente spürbar, eine gewisse Distanz bleibt aufrecht. Dazwischen der Luxus der Langsamkeit, der Eindrücke wirken lässt. Ein unprätenziöser, persönlicher und zeitgenössischer Film der ein Stück Geschichte der Roma und Sinti in die Gegenwart bringt.
Gundi Dick, Frauensolidarität

 

Karin Berger a réalisé un portrait lumineux de cette femme, tsigane et autrichienne, qui rit et fume beaucoup, peint, écrit, déborde d’énergie. La caméra la suit tandis qu’elle s’affaire au milieu de ses objets, tableaux, plantes et photos. Par bribes, on découvre son histoire. Catherine Humblot, Le Monde

 

Indem sich das Auge der Kamera in diesem Film seiner Protagonistin sehr behutsam nähert, den Menschen Zeit und Raum lässt, die Balance hält zwischen liebevoller Teilnahme und respektvoller Distanz, werden Ceija und ihre Familie für das Auge der ZuseherInnen als Subjekte quasi konstituiert: mit der Möglichkeit, ihre eigenen Bilder von sich zu entfalten, einen Blick zu gewähren auf ihr Selbstverständnis, ihren sinnlich-konkreten Alltag, ihr Verhältnis zur Umwelt, ihr – von Vitalität und Vernichtungserfahrung gleichermaßen geprägtes – Lebensgefühl. (...) So vollzieht der Film, indem er sich dieser ungewöhnlichen Frau allmählich und behutsam nähert, zugleich eine Bewegung in die Tiefe der Erinnerung – von der ersten Erwähnung des Namens „Auschwitz“ über Ceijas KZ-Bilder bis hin zur Konfrontation mit jenen NS-Vermessungsfotos, die jedes einzelne – verlorene – Familienmitglied mitsamt seiner Vernichtungsgeschichte zurück in die Gegenwart holt.
Lotte Podgornik, Volksstimme

 

Neben all der Faszination, die Berger durch ihren einfühlsamen Blick auf diese starke Frau und deren Wärme vermittelnde Art weckt, rollt sie in unangestrengten Wendungen die Geschichte eines ganzen Volkes auf und reißt damit ein noch immer nicht abgeschlossenes Kapitel österreichischer Geschichte an. Und über dieses Kapitel wissen auch Ceijas Nachkommen zu erzählen: Sie spüre noch immer Argwohn und müsse sich, sobald sie sich als Zigeunerin zu erkennen gebe, noch immer rechtsradikale Sprüche anhören, berichtet etwa ihre Enkelin. Über die verbliebenen Schatten in Ceija Stojkas Lebensgeschichte können und wollen auch die farbenprächtigen, leuchtenden Bilder des Films nicht hinwegtäuschen. Sie helfen der Filmemacherin allerdings, jenes Gefühl der Zuversicht, der Wärme und der Lebensfreude auszudrücken, das Ceija Stojka trotz allem bewahrt hat.
Robert Buchschwenter

 

Bei all dem weist Bergers Film weit über das gängige Porträtformat hinaus. CEIJA STOJKA ist, auch und vor allem, ein Versuch über die Befindlichkeiten von österreichischen Zigeunern der so genannten Zweiten Generation: exemplifiziert anhand der Familie, die im Film, ähnlich wie in Stojkas Leben, einen ganz besonderen Platz einnimmt. Man kocht, isst, feiert zusammen. Küchengespräche, familiärer Alltag, scheinbar jedermann vertraut. In ihrer Kredenz allerdings bewahrt Ceija Stojka, in grünes Tuch gehüllt, einen Ziegelstein des Block 10 von Auschwitz-Birken auf; und ihre Tochter bemerkt später einmal, dass man als Zigeuner immer in einer gewissen Angst lebt: „Das wir dir mitgegeben, das muss in den Genen sein.“
Michael Omasta, Falter

 

Wenn Ceijas Enkelin erzählt, daß sie als „Zigeunerin“ oft argwöhnisch betrachtet wird und sich rechte Sprüche anhören muß, oder wenn Ceija in einer der stärksten Familienszenen ihren Kindern und Enkeln die einzigen Fotos ihrer Familie – aufgenommen von der „Rassenhygienischen Forschungstelle des Reichsgesundheitsamtes“ – zeigt, fällt einem unweigerlich ein Satz von Ceija ein: „Die Angst ist immer in uns.“
Barbara Zwiefelhofer, APA

 

Ceija Stojka ist der Name der ersten österreichischen Romní, die an die Öffentlichkeit trat und ein Buch über ihre schrecklichen Erfahrungen während der Internierung im KZ Auschwitz schrieb. (...) Aber die Leiden hörten nicht mit Kriegsende auf: in der unmittelbaren österreichischen Nachkriegsgesellschaft waren die Zigeuner weiterhin schlecht angesehen. Sogar heute noch - wo alle seßhaft geworden sind - erscheinen sie vielen durch ihr „Anderssein“ unbequem. In diesem Sinne verkörpert die Protagonistin dieses Filmes mit ihrer persönlichen Tragödie die Erinnerung eines Volkes, dessen Spur sich verlor, dessen Geist aber auf den europäischen Straßen weiterlebt.
Antonio Mariotti, CORRIERE DEL TICHINO


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