Unter den Brettern hellgrünes Gras
 

Unter den Brettern hellgrünes Gras
The Green Green Grass Beneath
L’herbe verte sous les planches
Bajo las tablas hierba fresca
A 2005, 52 min, DigiBeta (4:3), eng UT
Buch, Regie: Karin Berger
// Kamera: Joerg Burger, Karin Berger // Schnitt: Thomas Scheider // Musik: Ceija Stojka, Hoida Stojka // Dramaturgische Beratung: Constantin Wulff // Produktion: Navigatorfilm

Lobende Erwähnung Diagonale 2005
Fernsehpreis der Erwachsenenbildung für 2006


Die österreichische Romni Ceija Stojka erzählt von ihrem Überleben als 11jähriges Mädchen im KZ Bergen-Belsen, von ihrer Befreiung durch die britische Armee und ihrem Leben mit dieser Erinnerung.

Screenings (Auswahl)
2020 Living History Oldenburg // 2019 raum*station – The Future is Roma Zürich // BIENALSUR MUNTREF Buenos Aires // 2018 Femmes en Résistance - Festival féministe de documentaries Arcueil // 2012 Moviemento Berlin // Borderline Filmfestival Hereford UK // 2010 Personale FrauenFilmTage Wien // 2008 KlezMORE Festival Vienna // 2007 Australian Center of The Moving Image Melbourne // 2005 Filmcasino Wien // Diagonale Graz // DOK Leipzig //

Teil der internationalen Ausstellungen von Ceija Stojkas Bildnerischem Werk: 2018 La Friche Belle de Mai Marseille // La Maison Rouge Paris // 2018/19 Museum Het Valkhof Nijmengen // 2019/20 Museo Reina Sofía Madrid // 2021 Malmö Konsthall Malmö

Verleih: info@navigatorfilm.com

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DVD in der Reihe "Der österreichische Film" / Edition Der Standard im Buchhandel und unter www.hoanzl.at erhältlich

 

 

 

TEXTE & PRESSE

UNTER DEN BRETTERN HELLGRÜNES GRAS
Ceija Stojka hat überlebt. Sie war als Kind in den Vernichtungslagern der Nazis. In Auschwitz und Ravensbrück. Und in Bergen-Belsen, wo sie und ihre Mutter von den Alliierten befreit wurden. Das war 1945, vor 60 Jahren. Und während die Republik Österreich das Jahr 2005 zum „Gedankenjahr“ erklärt hat – 60 Jahre Ende des 2. Weltkriegs, 50 Jahre Staatsvertrag – und sich selbst feiert, erinnert sich die heute 72jährige Romní Ceija Stojka vor der Kamera an die Zeit in Bergen-Belsen.
In Karin Bergers Film Unter den Brettern hellgrünes Gras berichtet sie mit unbestechlicher Direktheit und vitaler Gegenwärtigkeit vom Grauen: welche Strategien sie entwickeln musste, um nicht ermordet zu werden oder vor Hunger zu sterben; wie sie die Befreiung erlebte und wie schwer es war, das alltägliche Leben nach den Erfahrungen in Bergen-Belsen wieder aufzunehmen.
Dass dieser leidenschaftliche Bericht vom Überleben von einer Kamera aufgezeichnet werden konnte, verdankt sich der langjährigen Freundschaft zwischen Ceija Stojka und der Filmemacherin Karin Berger. Gemeinsam haben sie in den letzten 20 Jahren bereits zwei autobiografische Bücher und einen Kinofilm (Ceija Stojka, 1999) veröffentlicht und auch Unter den Brettern hellgrünes Gras ist das Dokument einer Begegnung: ein fast zur Gänze „gesprochener“ Film; in raue, intensive Bilder gefasst; mit wenigen Mitteln (Zwischentitel, atmosphärische Sequenzen) strukturiert zu einer kompakten filmischen Erzählung.
Unter den Brettern hellgrünes Gras verzichtet souverän auf die gängigen „Bilder des Grauens“ und konfrontiert sein Publikum mit der Bildermächtigkeit der Sprache und der Komplexität gelebter Erinnerung. Ein Geschichtsdokument, ein Gesellschaftsporträt.
Constantin Wulff (2005)

THE GREEN GREEN GRASS BENEATH

Ceija Stojka survived. As a child she was an inmate in Nazi death camps. Auschwitz and Ravensbrück. And Bergen-Belsen, where she and her mother were liberated by Allied troops. That was 1945, 60 years ago. And while the Republic of Austria has declared 2005 to be a „year of remembrance“ – 60 years after signing of the State Treaty – and is celebrating its own existence, the now 72-year old Roma woman Ceija Stojka recollects her time in Bergen-Belsen on camera.

In Karin Berger’s film entitled The Green Green Grass Beneath she talks about the horrors of her experiences with uncompromising directness and a vital presence: the strategies she was forced to develop to avoid being murdered or starving, her experiences at liberation, and the difficulty she had trying to return to her daily life after Bergen-Belsen.

The many years of friendship between Ceija Stojka and the filmmaker, Karin Berger, made the filming of this passionate report of survival possible: Over the past 20 years there have been two autobiographies and a feature film (Ceija Stojka 1999) The Green Green Grass Beneath too documents an encounter: a mostly „spoken“ film, framed in raw, intense images, and structured as a compact narrative with spare means (inserts, atmospheric sequences).

The Green Green Grass Beneath confidently dispenses with the conventional „images of horror“ and confronts the audience with language’s evocative power and the complexity of personal experiences. A historical document, a portrait of society.
Constantin Wulff (2005) Translation: Steve Wilder

L'HERBE VERTE SOUS LES PLANCHES

Ceija Stojka a survécu. Enfant, elle a été déportée dans les camps d’extermination des nazis. À Auschwitz et à Ravensbrück. Et à Bergen-Belsen où elle fut libérée avec sa mère par les Alliés. C’était en 1945, il y a 60 ans. Et tandis que la République autrichienne a décrété l’année 2005 „Année de réflexion“ (fin de la Seconde Guerre mondiale il y a 60 ans, Traité d’État il y a 50 ans) et s’auto-congratule, Ceija Stojka, une Romní aujourd’hui âgée der 72 ans, raconte devant la caméra l’époque de Bergen-Belsen.

Dans le film de Karin Berger L’herbe verte sous les planches, elle se souvient avec une franchise implacable et une présence énergique de l’horreur: les stratégies qu’elle dut dèvelopper pour ne pas être tuée et ne pas mourir de faim, la libération et la difficulté à renouer avec le quotidien après l’expérience de Bergen-Belsen.

Si ce récit passionné d’une survie a pu être enregistré par une caméra, on le doit à la longue amitié qui unit Ceija Stojka et la réalisatrice Karin Berger. Ensemble, au cours des 20 dernières années, elles ont publié deux livres autobiographiques et réalisé un long métrages (Ceija Stojka, 1999); L’herbe verte sous les planches est à nouveau le témoignage d’une rencontre : un film „parlé“ dans sa quasi-totalité, fait d’images intenses, crues, utilisant des moyens réduits (intertitres, séquences atmosphériques) pour structurer et densifier le récit filmique.

L’herbe verte sous les planches se passe fort bien des „images de l’horreur“ que l’ont voit habituellement, confrontant son public avec la force évocatrice des mots et la complexité du souvenir vécu. Un document d’histoire, un portrait de société.
Constantin Wulff (2005), Trad: Françoise Guiguet

 Ceija Stojka, die vor sieben Jahren schon einmal souveränes Zentrum eines Dokumentarfilms von Karin Berger war, tritt in dieser Arbeit erneut vor die Kamera ihrer Freundin: “Unter den Brettern hellgrünes Gras” ist ein betont kleiner Film geworden, die Aufzeichnung der Erinnerungen einer Zeitzeugin. Ceija Stojka, heute 72, hat als Kind die Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebt. Sie war in Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen. Davon berichtet sie, nicht mehr, nicht weniger: Wie viel das sein kann (und wie viel wirkungsvoller als alle Schreckensbilder), stellt dieser Film, bewegende 52 Minuten lang, unter Beweis. “Unter den Brettern hellgrünes Gras” ist ein Film der Sprache – und des Triumphes des Lebens über die Barbarei.
Stefan Grissemann, PROFIL, 27.2.2006

Eine außergewöhnliche Frau steht im Zentrum von Karin Bergers nicht weniger außergewöhnlichem neuem Film, einem knapp einstündigen Dokumentarbericht mit dem trügerisch poetischen Titel “Unter den Brettern hellgrünes Gras”. Ceija Stojka, heute 72 Jahre alt, Romní von Geburt und Künstlerin von Beruf, erzählt die Geschichte ihrer Kindheit, deren größten Teil sie in Vernichtungslagern der Nazis verbringen musste, in Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen. Anders als der 1999 realisierte Kinofilm “Ceija Stojka”, der sich gleichfalls der langjährigen Freundschaft zwischen den beiden Frauen verdankte, bleibt die neue Arbeit dicht und unmittelbar, ohne Abschweifungen oder Ausflüchte, fast zur Gänze am erinnnerten, gesprochenen Wort: Wie sich Kinder unter Leichenbergen wärmten, wie Mutter und Tochter von den Alliierten befreit wurden, wie schwierig das alltägliche Leben danach war. Man hört und sieht und kann’s einfach nicht fassen. “Unter den Brettern hellgrünes Gras” verhält sich zum vorangegangenen Film wie eine Nahaufnahme zu einer Halbtotalen, und das ist sehr, sehr gut so.
Michael Omasta, FALTER

Aber auch Zizeks verspielte Ausführungen verblassen neben der Erzählung in einem zweiten “kleinen” Dokument: In Karin Bergers Einstünder “Unter den Brettern hellgrünes Gras” erzählt die beeindruckende Romní Ceija Stojka von ihrer Zeit in Konzentrationslagern. Berger verlässt sich dabei fast ausschließlich auf das gesprochene Wort. Mit Gewinn: Gerade in seiner überzeugenden Reduktion ist ihr Film zutiefst bewegend; er übertrifft die restlichen Filme dieser Woche nicht nur emotional und konzeptionell, sondern auch als Reflexion von Geschichte und Gesellschaft.
Christoph Huber, DIE PRESSE

Karin Berger gelingt es, dem gesprochenen Wort jenen Raum zu geben, der notwendig ist, die Zwischentöne und den Bilderreichtum in Ceija Stojkas Sprache wirken zu lassen. Sie verweist damit gleichzeitig auf die reiche mündliche Erzähltradition der Roma, die eine im Verborgenen blühende Kunstform entstehen ließ. Ceija Stojka verkörpert diese Tradition in ihrer vitalsten Form. Es ist jedoch im Fall von “Unter den Brettern hellgrünes Gras” keine beschönigende Poesie, sondern eine des Schreckens, die die Erlebnisse, Gefühle und Erfahrungen eines 10jährigen Kindes schonungslos offen legt.
Michael Teichmann , dROMA 10/06, Juni 2006



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