Unter
den Brettern hellgrünes Gras
A 2005, 52 min, DigiBeta (4:3), eng UT
Buch, Regie: Karin Berger // Kamera: Joerg Burger, Karin Berger // Schnitt:
Thomas Scheider // Musik: Ceija Stojka, Hoida Stojka // Dramaturgische
Beratung: Constantin Wulff
Lobende Erwähnung Diagonale 2005
Fernsehpreis der Erwachsenenbildung für 2006
Festival: Montpelier/ USA
“Wenn es geregnet hat und der Boden feucht
war, konnte man graben. Tiefer unten wurde die Erde brauner, schwärzer
und ein bisschen speckig. Und die Erde war - wahrscheinlich durch den
Wald - würzig.”
Ceija Stojka
Ceija Stojka hat überlebt. Sie war als Kind in den Vernichtungslagern der Nazis. In Auschwitz und Ravensbrück. Und in Bergen-Belsen, wo sie und ihre Mutter von den Alliierten befreit wurden. Unter den Brettern hellgrünes Gras ist das Dokument einer Begegnung: ein fast zur Gänze „gesprochener“ Film; in raue, intensive Bilder gefasst; mit wenigen Mitteln (Zwischentitel, atmosphärische Sequenzen) strukturiert zu einer kompakten filmischen Erzählung.
DVD in der Reihe "Der österreichische Film" / Edition Der Standard im Buchhandel und unter www.hoanzl.at erhältlich
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Festivals:
Leipzig, Melbourne
PRESSESTIMMEN
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Aber auch Zizeks verspielte Ausführungen verblassen neben der Erzählung
in einem zweiten “kleinen” Dokument: In Karin Bergers Einstünder
“Unter den Brettern hellgrünes Gras” erzählt die
beeindruckende Romní Ceija Stojka von ihrer Zeit in Konzentrationslagern.
Berger verlässt sich dabei fast ausschließlich auf das gesprochene
Wort. Mit Gewinn: Gerade in seiner überzeugenden Reduktion ist ihr
Film zutiefst bewegend; er übertrifft die restlichen Filme dieser
Woche nicht nur emotional und konzeptionell, sondern auch als Reflexion
von Geschichte und Gesellschaft.
Christoph Huber, DIE PRESSE
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Eine außergewöhnliche Frau steht im Zentrum von Karin Bergers
nicht weniger außergewöhnlichem neuem Film, einem knapp einstündigen
Dokumentarbericht mit dem trügerisch poetischen Titel “Unter
den Brettern hellgrünes Gras”. Ceija Stojka, heute 72 Jahre
alt, Romní von Geburt und Künstlerin von Beruf, erzählt
die Geschichte ihrer Kindheit, deren größten Teil sie in Vernichtungslagern
der Nazis verbringen musste, in Auschwitz, Ravensbrück, Bergen-Belsen.
Anders als der 1999 realisierte Kinofilm “Ceija Stojka”, der
sich gleichfalls der langjährigen Freundschaft zwischen den beiden
Frauen verdankte, bleibt die neue Arbeit dicht und unmittelbar, ohne Abschweifungen
oder Ausflüchte, fast zur Gänze am erinnnerten, gesprochenen
Wort: Wie sich Kinder unter Leichenbergen wärmten, wie Mutter und
Tochter von den Alliierten befreit wurden, wie schwierig das alltägliche
Leben danach war. Man hört und sieht und kann’s einfach nicht
fassen. “Unter den Brettern hellgrünes Gras” verhält
sich zum vorangegangenen Film wie eine Nahaufnahme zu einer Halbtotalen,
und das ist sehr, sehr gut so.
Michael Omasta, FALTER
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Ceija Stojka, die vor sieben Jahren schon einmal souveränes Zentrum
eines Dokumentarfilms von Karin Berger war, tritt in dieser Arbeit erneut
vor die Kamera ihrer Freundin: “Unter den Brettern hellgrünes
Gras” ist ein betont kleiner Film geworden, die Aufzeichnung der
Erinnerungen einer Zeitzeugin. Ceija Stojka, heute 72, hat als Kind die
Konzentrationslager der Nationalsozialisten überlebt. Sie war in
Auschwitz, Ravensbrück und Bergen-Belsen. Davon berichtet sie, nicht
mehr, nicht weniger: Wie viel das sein kann (und wie viel wirkungsvoller
als alle Schreckensbilder), stellt dieser Film, bewegende 52 Minuten lang,
unter Beweis. “Unter den Brettern hellgrünes Gras” ist
ein Film der Sprache – und des Triumphes des Lebens über die
Barbarei.
Stefan Grissemann, PROFIL, 27.2.2006
SCHONUNGSLOSE POESIE
Raum für das gesprochene
Wort
Karin Berger gelingt es, dem gesprochenen Wort jenen Raum zu geben, der
notwendig ist, die Zwischentöne und den Bilderreichtum in Ceija Stojkas
Sprache wirken zu lassen. Sie verweist damit gleichzeitig auf die reiche
mündliche Erzähltradition der Roma, die eine im Verborgenen
blühende Kunstform entstehen ließ. Ceija Stojka verkörpert
diese Tradition in ihrer vitalsten Form. Es ist jedoch im Fall von “Unter
den Brettern hellgrünes Gras” keine beschönigende Poesie,
sondern eine des Schreckens, die die Erlebnisse, Gefühle und Erfahrungen
eines 10jährigen Kindes schonungslos offen legt.
Gras als Festmahl
Bergen-Belsen war nach Ravensbrück und Auschwitz das dritte Konzentrationslager,
in das Ceija Stojka zusammen mit ihrer Mutter deportiert wurde. Und es
war die mit Abstand schlimmste Station einer bereits 5 Jahre dauernden
Leidensgeschichte: Ceija Stojka erzählt, wie sie zwischen verwesenden
Leichen Unterschlupf vor der Kälte suchte und wie sie “unter
den Brettern hellgrünes Gras” fand und als Festmahl verschlang.
Sie berichtet, wie sie das Kondenswasser vom Stacheldraht leckte, die
Münder der Toten immer wieder von Erde und Schlamm reinigte, und
wie ihre Mutter verzweifelt versuchte, in all dem die Liebe und die Hoffnung
nicht zu verlieren.
Die sich ankündigende Befreiung wurde zunächst für eine
weitere Lüge gehalten. Als sie dann tatsächlich eintrat, war
das Glück überwältigend. Die Schwierigkeiten, mit dem Erlebten
fertig zu werden, überdeckten die anfängliche Begeisterung jedoch
rasch. “Das Leben wieder aufzunehmen, war immer mit einem Schmerz
verbunden”, beschreibt Ceija Stojka ihre damalige Gefühlslage.
Die quälenden Fragen, warum ihnen das angetan worden ist und welche
Schuld sie auf sich geladen hatten, ließen die Überlebenden
in den ersten Jahren nach der Befreiung nicht los. In der Kunst fand Ceija
Stojka schießlich einen Weg, den Schmerz auszudrücken und zu
verarbeiten.
Mit “Unter den Brettern hellgrünes Gras” schuf Karin
Berger einen beeindruckenden Portraitfilm und ein bedeutendes Geschichtsdokument.
Michael Teichmann , dROMA 10/06, Juni 2006
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TEXTE
UNTER DEN BRETTERN HELLGRÜNES GRAS
Constantin Wulff
Ceija Stojka hat überlebt. Sie war als Kind
in den Vernichtungslagern der Nazis. In Auschwitz und Ravensbrück.
Und in Bergen-Belsen, wo sie und ihre Mutter von den Alliierten befreit
wurden. Das war 1945, vor 60 Jahren. Und während die Republik Österreich
das Jahr 2005 zum „Gedankenjahr“ erklärt hat –
60 Jahre Ende des 2. Weltkriegs, 50 Jahre Staatsvertrag – und sich
selbst feiert, erinnert sich die heute 72jährige Romní Ceija
Stojka vor der Kamera an die Zeit in Bergen-Belsen.
In Karin Bergers Film Unter den Brettern hellgrünes Gras berichtet
sie mit unbestechlicher Direktheit und vitaler Gegenwärtigkeit vom
Grauen: welche Strategien sie entwickeln musste, um nicht ermordet zu
werden oder vor Hunger zu sterben; wie sie die Befreiung erlebte und wie
schwer es war, das alltägliche Leben nach den Erfahrungen in Bergen-Belsen
wieder aufzunehmen.
Dass dieser leidenschaftliche Bericht vom Überleben von einer Kamera
aufgezeichnet werden konnte, verdankt sich der langjährigen Freundschaft
zwischen Ceija Stojka und der Filmemacherin Karin Berger. Gemeinsam haben
sie in den letzten 20 Jahren bereits zwei autobiografische Bücher
und einen Kinofilm (Ceija Stojka, 1999) veröffentlicht und auch Unter
den Brettern hellgrünes Gras ist das Dokument einer Begegnung: ein
fast zur Gänze „gesprochener“ Film; in raue, intensive
Bilder gefasst; mit wenigen Mitteln (Zwischentitel, atmosphärische
Sequenzen) strukturiert zu einer kompakten filmischen Erzählung.
Unter den Brettern hellgrünes Gras verzichtet souverän auf die
gängigen „Bilder des Grauens“ und konfrontiert sein Publikum
mit der Bildermächtigkeit der Sprache und der Komplexität gelebter
Erinnerung. Ein Geschichtsdokument, ein Gesellschaftsporträt.
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